
Der neugewählte VAKÖ-Vorstand (v.l.) mit Egon Brunner, Andreas Krammel, Michael Morscher, Christine Elsensohn, Obmann Gerhard Polzhofer, Marco Herburger, Gilbert Hammerer, Ulrich Höfert
Foto ©LK Vbg
Tradition vs. Zeitgeist: Wo stehen Obstbrände?
Obstbrände sind eine jahrhundertealte Methode, Obst für die Ernährungsversorgung haltbar zu machen und vor dem Verderb zu bewahren. Doch in Zeiten, wo der Kokainkonsum in Vorarlberg sich innerhalb von 4 Jahren um 70 % und der von „Crystal Meth“ um 114 % erhöht hat, werden auch die negativen Seiten eines übermäßigen Alkoholkonsums immer häufiger thematisiert.
In diesem Spannungsfeld befinden sich auch Österreichs Kleinbrennerinnen und Kleinbrenner. Das zeigte sich in den Diskussionen der jährlichen VAKÖ-Generalversammlung in Hohenems. Die Vereinigung der Abfindungs- und Kleinbrenner Österreichs, wie die VAKÖ mit vollem Namen heißt, wurde 1993 gegründet und vertritt seither die Interessen dieses traditionellen und eher bäuerlichen Sektors der Spirituosenherstellung. Ging es bei der Gründung derzeit um den Erhalt der steuervergünstigten Abfindungsbrennerei aus eigenen Obstvorräten, so ist inzwischen der Weiterbestand des Kleinbrennereihandwerkes durch die zunehmende gesellschaftliche Ächtung von Alkohol als Lebensmittel gefährdet.
Die Position der österr. Kleinbrenner liegt dazwischen. Natürlich kämpft man für den Weiterbestand der Obstbrennerei. Aber ebenso stellt man sich seit langem gegen den Missbrauch von Destillaten. Laufende Schulungen zur Qualitätssteigerung und zur Kostenberechnung von Obstbränden führten in den letzten Jahrzehnten dazu, dass die Produkte stetig besser wurden – aber dadurch auch deutlich mehr kosten. Diese Entwicklung ist gewollt. So sind doch heimische Obstbrände keine Droge, sondern eine Delikatesse, die man bei passenden Gelegenheiten in bester Qualität dafür in kleinen Mengen genießt. Die seit ca. 2005 laufend ausgebildeten Edelbrand-Sommeliers versuchen diesen Wandel zu vermitteln.
Zusammen mit den Landwirtschaftskammern wird derzeit überlegt, die Klein- und Obstbrennerei auch in Österreich auf die Liste des „Immateriellen Kulturerbes“ setzen zu lassen, um dieser einst tief verwurzelten handwerklichen Fertigkeit einen gewissen dokumentierten Status zu verschaffen.
Der neugewählte Vorstand der VAKÖ wird sich bemühen, dieses Anliegen auch in den anderen Bundesländern zu deponieren und für eine Anerkennung zu werben. Der bei der Generalversammlung anwesende Brennereiexperte Ulrich Zeni von der Landwirtschaftskammer Tirol informierte über die im östlichen Nachbarbundesland geleisteten Vorarbeiten. Eine enge Zusammenarbeit wurde vereinbart.
Die neue VAKÖ-Vorstand war Großteils auch der alte Vorstand. Neu zum Team von Gerhard Polzhofer ist Marco Herburger aus Lustenau gekommen. Er übernimmt den vakanten Posten des Vize-Obmannes. Schwerpunkt des Tagesgeschäftes sind auch 2026 weiterhin die Schulung von neuen wie auch erfahrenen Brennereifachleuten, meist in Zusammenarbeit mit dem Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) der Landwirtschaftskammer, und die Herausgabe des viermal jährlich erscheinenden VAKÖ-Magazins, der einzigen Brennereifachzeitung aus Österreich. Wer diese Bemühungen unterstützen will, kann gerne bei der VAKÖ-Mitglied werden, zB über die Homepage www.vakö.at . Für einen Jahresbeitrag von 25 € erhält man dafür auch das VAKÖ-Magazin viermal im Jahr. Ein vermutlich konkurrenzloser Preis.
Ulrich Höfert
